Einleitungsbild Innovationspreis

Wissenschaftsministerin verleiht Innovations­preis: Festakt mit Ministerpräsidentin Kraft / Nordrhein-Westfalen feiert in Düsseldorf Innovationspreisträger 2011

Rund 500 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft werden heute zu der feierlichen Verleihung des Innovationspreises des Landes Nordrhein-Westfalen erwartet. „Mit dem Preis ehrt das Land diejenigen, die mit ihren Ideen Fortschritt ermöglichen. Er ist Ehrung und Ansporn für die besten Köpfe in den Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen“, sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze im Vorfeld der Preisverleihung.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die am Abend den Preis an den diesjährigen Ehrenpreisträger überreichen wird, sagte: „Wir sind in Nordrhein-Westfalen stolz auf eine der dichtesten Forschungsland­schaften in Europa. Diese einmalige Mischung aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Institute, Leibniz-Einrichtungen und Institute der Fraunhofer-Gesell­schaft, die Vielfalt und Qualität von Wissenschaft und Forschung machen den Standort Nordrhein-Westfalen attraktiv und zukunftsfähig. Auch der Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen leistet dazu einen wichtigen Beitrag, denn mit ihm bekommt Exzellenz in Wissen­schaft und Forschung ein Gesicht. Er zeigt die Menschen, die unser Land mit ihrer Forschung voran bringen.“

Der Preis gehört zu den bedeutendsten deutschen Forschungspreisen. Preisträger 2011 in den Kategorien Ehrenpreis, Innovation und Nachwuchs sind der Gründungsdirektor des renommierten Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Ehrenpreis), der Leiter des Fraunhofer Instituts für Laser­technik in Aachen, Prof. Dr. Reinhart Poprawe (Innovation) und die Nachwuchsgruppenleiterin an der Technischen Universität Dortmund und Professorin an der LMU München, Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis (Nachwuchs).

Die Preisträger 2011 in den Kategorien Innovation und Nachwuchs hat eine hochkarätige Jury unter dem Vorsitz des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft ausgewählt. Kriterien für die Preisvergabe sind ein großes wissenschaftliches Potenzial, exzellente Forschungsarbeiten sowie ein konkreter Praxisbezug.

Die Preisträger:

Weiteres Bildmaterial zur Pressemeldung
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (72): Der Innovationspreis 2011 in der Kategorie Ehrenpreis geht an Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Gründungsrektor des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie) für sein herausragendes Engagement für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. „Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker steht für die Wende hin zu einer ökologischen und nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Er hat gezeigt, dass Wachstum, Fortschritt und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen“, so Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Weiteres Bildmaterial zur Pressemeldung
Prof. Dr. Reinhart Poprawe

Prof. Dr. Reinhart Poprawe (57): Der Innovationspreis 2011 in der Kategorie Innovation geht an Prof. Dr.-Ing. Reinhart Poprawe. Der Leiter des Fraunhofer Instituts für Lasertechnik in Aachen und Lehrstuhlinhaber an der RWTH Aachen Poprawe ist mit seinem Aachener Team weltweit führend im sogenannten Selective Laser Melting (SLM), mit dem individualisierte und komplexe Bauteile schnell, in kleinen Stückzahlen und „just in time“ gefertigt werden können − von Zahnkronen und Implantaten über Werkzeuge und Funktionsmuster bis hin zu Ersatzteilen im Automobilbau.

Weiteres Bildmaterial zur Pressemeldung
Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis

Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis (32): Der Innovationspreis 2011 in der Kategorie Nachwuchs geht an Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis. Der Nachwuchsgruppenleiterin an der Technischen Universität Dortmund und Professorin an der LMU München ist es gelungen, den chemischen Schlüssel für die Entwicklung kompostierbarer Kunststoffe zu finden. Ihre Vision ist eine Welt ganz ohne Plastikmüll. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Kategorie Ehrenpreis


Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Mit dem Innovationspreis 2011 des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Ehrenpreis würdigt die Landesregierung Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Gründungsrektor des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze: „Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker steht für die Wende hin zu einer ökologischen und nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Er hat eindrucksvoll gezeigt, dass Wachstum, Fortschritt und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen.“

Lebenslauf

Der Physiker und promovierte Biologe Prof. Dr. rer. nat. Ernst Ulrich von Weizsäcker war Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie (1991 – 2000), Mitglied des Bundestags (1998 – 2005), sowie Direktor des UNO Zentrums für Wissenschaft und Technologie (1981 – 1984) und des Instituts für Europäische Umweltpolitik mit Sitz in Bonn, London und Paris (1984 – 1991). Seine erste ordentliche Profes-sur trat er 1972 an der Universität Essen an.

Von Weizsäcker ist Mitglied des angesehenen Club of Rome und des Weltzukunftsrats. Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem Deutschen Umweltpreis (2008), dem Großen Bundesverdienstkreuz (2009) und dem Theodor-Heuss-Preis (2011) ausgezeichnet.

Kategorie Innovation

Prof. Dr. Reinhart Poprawe

Mit dem Innovationspreis 2011 des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Innovation würdigt die Landesregierung die Leistung des Aa-chener Laserforschers Prof. Dr. Poprawe im Bereich der „on demand“ Fertigungstechnologie. Das am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ent-wickelte Verfahren ermöglicht die Fertigung maßgeschneiderter Bauteile mit einem Laserstrahl.

Poprawe und sein Aachener Team sind weltweit führend im sogenann-ten Selective Laser Melting (SLM), mit dem individualisierte und komplexe Bauteile schnell, in kleinen Stückzahlen und „just in time“ gefertigt werden können − von Zahnkronen und Implantaten über Werkzeuge und Funktionsmuster bis hin zu Ersatzteilen im Automobilbau.

Die Jury begründet ihre Entscheidung mit den vielseitigen Anwen-dungsmöglichkeiten und der signifikanten wirtschaftlichen Bedeutung dieser Technologie: „Durch die Arbeiten von Herrn Professor Poprawe wird eine ‚enabeling technology’ marktfähig, die über die eigentliche Technologie hinausgehend einen großen Einfluss auf die weitere wirt-schaftliche Entwicklung haben wird mit einer nahezu unbegrenzten Viel-zahl an Anwendungen.“

Lebenslauf

Prof. Dr. rer. nat. Reinhart Poprawe M.A. (57 Jahre) leitet seit 1996 das Aachener Fraunhofer Institut für Lasertechnik. Er ist zugleich Lehrstuhl-inhaber an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Er hat in Mainz, Darmstadt und an der California State Univer-sity in Fresno studiert. Nach seiner Promotion 1985 an der Technischen Hochschule in Darmstadt wechselte er als Abteilungsleiter an das Aa-chener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik. Er ist Mitgründer der ACLAS Lasertechnik und Maschinenbau GmbH in Aachen und war von 2005 bis 2008 Prorektor für Forschung, Struktur und wissenschaftlichen Nach-wuchs an der RWTH Aachen sowie stellvertretender Rektor der RWTH Aachen. Seit 2006 ist er Fellow am angesehenen Laser Institute of America in Orlando, Florida, dessen Präsidentschaft er ab Januar 2012 übernimmt.

Das SLM-Verfahren wurde vom Fraunhofer-Institut für Lasertechnik erstmals 1996 zum Patent angemeldet und ist in Europa, den USA und Japan erteilt. Poprawe ist Mitinhaber einer Patentfamilie für ein Verfah-ren zur Herstellung von Formkörpern.

Hintergrund: Selective Laser Melting (SLM)

Das wesentlich von Professor Poprawe und seinem Team entwickelte „Selective Laser Melting SLM“ ermöglicht es, metallische Werkstücke „schichtweise“ durch Aufschmelzen von Metallpulver mit einem Laser zu produzieren. Dabei werden die Bauteile direkt aus 3D-CAD Daten her-gestellt. Die so gefertigten Werkstücke weisen nahezu 100 Prozent der Belastbarkeit von traditionell gefertigten Werkstücken auf.

Mit dem SLM-Verfahren können erstmals auch sehr komplexe Werkstück-Geometrien wie beispielsweise Hohlraumsysteme schnell und vergleichsweise kostengünstig gefertigt werden. Bedingt durch die schichtweise Aufbautechnik sind die Fertigungskosten nahezu unabhängig von der gewünschten Stückzahl und von der Form des Bauteils.

Das Verfahren wird beispielsweise in der Medizintechnik sowie dem Werkzeug- und Automobilbau eingesetzt und eignet sich für Funktionsprototypen ebenso wie für Einzelteile und Kleinserien.

Kategorie Nachwuchs

Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis

Der Innovationspreis 2011 in der Kategorie Nachwuchs geht an Prof. Dr. Herres-Pawlis. Der Nachwuchsgruppenleiterin an der Technischen Uni-versität Dortmund und Professorin an der LMU München ist es gelun-gen, den chemischen Schlüssel für die Entwicklung kompostierbarer Kunststoffe zu finden. Ihre Forschungsarbeiten leisten einen Beitrag da-zu, erdölbasierte Kunststoffe durch solche Materialien zu ersetzen, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden können und die umweltverträglich abbaubar sind.

Die Begründung der Jury: „Frau Prof. Dr. Herres-Pawlis weist eine sehr starke wissenschaftliche Kompetenz gepaart mit einer ausgeprägten Interdisziplinarität auf. Es gelingt ihr exzellent, akademische Grundla-genforschung mit industrieller Anwendung zu verbinden.“

Lebenslauf

Sonja Herres-Pawlis (32 Jahre) studierte und promovierte an der Uni-versität Paderborn im Bereich Chemie. Auf ihre Promotion 2005 folgte ein Forschungsaufenthalt an der Stanford University, ehe sie als Lehr-beauftragte und Habilitandin an die Universität Paderborn zurückkehrte. Seit 2009 ist sie Nachwuchsgruppenleiterin an der Technischen Univer-sität Dortmund und seit November 2011 Professorin an der LMU in München.

Prof. Dr. Herres-Pawlis ist Liebig-Stipendiatin des Fonds der Chemi-schen Industrie und sie ist seit Dezember 2010 Mitglied des Jungen Kol-legs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Für ihre Leistungen erhielt sie den Dissertationspreis der Universität Paderborn (2006) sowie den Forschungspreis des Präsidi-ums der Universität Paderborn (2008).

Hintergrund: Zinkkomplexe als Katalysatoren

Prof. Dr. Herres-Pawlis forscht an einem neuen, vollständig biologisch abbaubaren Katalysator für die Herstellung von kompostierbaren Kunst-stoffen. Sie nutzt die Methoden der Anorganischen Chemie, um ge-meinsam mit Polymerchemikern, Informatikern, Physikern und Biologen neu entwickelte Metall-Komplexe auf katalytische Aktivität zu untersuchen.

Herres-Pawlis ist spezialisiert auf die Aktivierung kleiner Moleküle durch Übergangsmetalle mit biomimetischen Liganden. Sie hat neuartige Ka-talysatoren entwickelt, die eine Herstellung von abbaubaren Biopolymeren aus nachwachsenden Rohstoffen erleichtern.

Prof. Dr. Sonja Herres-Pawlis hat bereits drei Patente angemeldet. Die Katalysatoren befinden sich in der industriellen Testphase.

Bildergalerie

Teaserbild mit Pinsel und Metallteil. / Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT Aachen

Hier finden Sie Fotos von der Preisverleihung des Innovationspreises des Landes Nordhrein-Westfalen 2011 am 14.11.2011.

Zur Bildergalerie

Broschüre

Formeln 208 x 135

Hier finden Sie die Broschüre der Innovationspreisträger 2011.

Zur Broschüre (PDF, 320 KB)