
Dr. Angelica Schwall-Düren
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Angelica Schwall-Düren ist es gewohnt, vor einer Klasse zu stehen. Es ist bundesweiter Vorlesetag, und die Ministerin überrascht Viertklässler in Metelen mit dem Satz: „Bitte, zeichne mir ein Schaf.“ Ein Schaf? Die Ministerin liest aus dem Klassiker des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“.
Als Angelica Schwall-Düren noch Lehrerin im Münsterland war, hat sie das Buch auch im Unterricht verwendet, weil es die Fantasie anrege und eine ironische Distanz zu den Erwachsenen erzeuge. Seit mehreren Jahren beteiligt sie sich am Vorlesetag, um Kindern Bücher näherzubringen. Vorlesen ist auch etwas, das im Hause Schwall-Düren eine wichtige Rolle gespielt hat, wie die Mutter zweier Söhne gern erzählt. Früher habe ihr Ehemann Hermann abends vorgelesen, während sie strickte. Da hatten wir noch etwas mehr Zeit.“ Mehr Zeit mit Büchern würde die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien allen Schülern wünschen.
Aber Twitter und Facebook sind mächtige Konkurrenten und zudem nicht ungefährlich. Während Angelica Schwall-Düren den Zugang zum Internet in benachteiligten Gebieten vorantreibt, kämpft sie zugleich für die Aufklärung über die Risiken des Netzes.
Mit dem Medienkompetenzführerschein will sie erreichen, dass Jugendlichen an Schulen vor Augen geführt wird, wie sie im Internet die Kontrolle über ihre Beiträge verlieren können: „Viele junge Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, wie viel sie über sich selbst preisgeben.“ Private Informationen könnten missbraucht werden, um zu mobben. Manches könne auch später bei beruflichen Karrieren hinderlich werden. „Man muss einfach wissen, dass man sich im Internet beim Austausch von Informationen nicht in einem Raum mit vier Wänden befindet.“ Es gehe darum zu vermitteln, dass es im Internet eben nicht nur Chancen und Möglichkeiten gebe. Zu den Risiken zählt die Ministerin auch die verbreitete Neigung, fast alles zu glauben, was im Netz steht.
Angelica Schwall-Düren wird 1948 in Offenburg in Baden-Württemberg geboren. Sie studiert Geschichte, Politische Wissenschaften und Französisch in Freiburg, Montpellier und Münster. 1973 legt sie ihr erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab und arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft und akademische Tutorin an der Uni Freiburg. 1976 tritt sie in die SPD ein. Die Partei steht für die angehende junge Lehrerin wie keine andere für eine sozial gerechte Bildungspolitik. Im Jahr darauf legt sie nicht nur das zweite Staatsexamen ab, sie promoviert auch in Wirtschafts- und Sozialgeschichte. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie die Kinder- und Jugendfürsorge während der Epoche der Industrialisierung. Danach unterrichtet sie an Gymnasien in Ahaus und Gronau. 1994 zieht sie in den Bundestag ein, wird Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und übernimmt 2002 als Fraktionsvize die Zuständigkeit für die Angelegenheiten der EU.
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Früher hatte Angelica Schwall-Düren zwei berufliche Standorte, Berlin und ihren Wahlkreis im Münsterland. Heute sind es drei: Berlin, Brüssel und Düsseldorf. Die Ministerin vertritt die Interessen von Nordrhein-Westfalen beim Bund und in der Europäischen Union, reist also nach wie vor oft nach Berlin, nach Brüssel und ins europäische Ausland. Sie engagiert sich im Bundesrat mit Mitstreitern gegen Dumpinglöhne in ganz Europa.
Sie beschäftigt sich mit Grenzpendlern ebenso wie mit Medienrecht oder EU-Förderprogrammen – und mit ihrem großen Ziel: Als überzeugte Europäerin will Angelica Schwall-Düren, dass NRW aktiv am Ausbau eines sozialen Europas mitwirkt. „Europa ist für die Schaffung eines Binnenmarktes zuständig, jeder Mitgliedstaat hingegen für dessen soziale Flankierung. Diese Trennung ist aber mit der Realität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute nicht mehr vereinbar. Wirtschaftspolitische Entscheidungen können von sozialen Folgewirkungen nicht entkoppelt werden.“
Die Ministerin sieht es sehr kritisch, dass EU-Kommission und auch der Europäische Gerichtshof zu sehr allein den Markt im Blick hätten. „Um eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur zu entwickeln, wird Europa auch eine Sozialunion werden müssen. Eine Sozialunion, die gleichberechtigt neben die europäische Wirtschafts- und Währungsunion tritt.“ Nur so, daran glaubt Angelica Schwall-Düren fest, kann man Europa den Menschen näherbringen und ihnen glaubhaft machen, wie wichtig die EU für NRW und Deutschland in der Zukunft ist.