Kabinett 15.07.2010 visual mit Blumen

Harry Kurt Voigtsberger


Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr


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Harry Kurt Voigtsberger wählt gern Vergleiche aus der Landwirtschaft, wenn er über nachhaltiges Wirtschaften spricht. „Wenn ein Waldbauer einen Baum pflanzt, wird nicht er die Ernte einfahren. Vielleicht aber sein Sohn oder Enkel. Und trotzdem pflanzt der Bauer den Baum.“ Für ihn gehören zur Wettbewerbsfähigkeit eines Projekts die soziale Akzeptanz und die ökologische Verantwortbarkeit zwingend dazu. „Wenn man einen der drei Aspekte vernachlässigt, stimmt das ganze Projekt nicht mehr.“ Der Dreiklang, der Nachhaltigkeit sichere, gelte für alle Felder, für Finanzmärkte, Bauvorhaben oder Verkehr. „Wenn Züge überfüllt fahren, dann ist das zwar wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll, aber eben sozial nicht akzeptabel.“

Gegen die Mehrheitsmeinungen von Bürgern kann man auf Dauer keine Politik machen. Davon ist der Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr zutiefst überzeugt. „Man kann Projekte nicht mit Wasserwerfern durchsetzen. Das hält unsere demokratische Gesellschaft nicht aus.“ Harry Kurt Voigtsberger steht für eine Wirtschaftspolitik, in der die ökonomischen mit den ökologischen und sozialen Interessen in einem offenen Dialog mit allen betroffenen Gruppen so gut wie möglich in einen Ausgleich gebracht werden sollen. „Wir müssen die Beteiligten als Fachleute und Partner für eine Lösung gewinnen.“ Der Dialog mit den Bürgern ist für den Minister ein Schlüssel zum nachhaltigen Wirtschaften.

Harry Kurt Voigtsberger, geboren 1950 in Hindelang, verbringt seine Kindheit in einem kleinen Bauerndorf im Allgäu. Die Eltern sind auf der Flucht vor dem Krieg dort einquartiert worden. Das einfache Leben unter Bergbauern beschreibt er als tolle Kindheit. Zur Schule fährt er auf Skiern, der Rückweg ist beschwerlicher. Heu machen, Brotzeit, mit dem Schlitten Holz holen: Die Stärke der Gemeinschaft in dem kleinen Ort beeindruckt ihn ebenso wie die Natur. Noch heute fährt er gern, wenn auch selten in die Berge, um Gleitschirm zu fliegen. „Zwei, drei Schritte am Hang und dann über die grünen Berge und Wiesen gleiten.“ Der Vater von drei Kindern, inzwischen auch Großvater, kann als begeisterter Segelflieger Risiken gut kalkulieren. Leider fehlt heute zum Fliegen die Zeit.

Aus Leidenschaft zum Fliegen macht Harry Kurt Voigtsberger eine Ausbildung zum Flugzeugbauer bei Messerschmitt & Dornier in Augsburg. Das Studium verschlägt ihn nach Nordrhein-Westfalen, weil er die Gebühren für die Akademie in München nicht aufbringen kann, in NRW gibt es keine Gebühren. An der Fachhochschule Aachen schließt Harry Kurt Voigtsberger als Flug­zeug­bauingenieur ab. „Das quirlige, sprühende Rheinland hat mich sofort gepackt.“ Auch Willy Brandt hat ihn gepackt. Ostpolitik und Bildungsreformen: „Das war ein Aufbruch, und die SPD die Partei, in der man sich engagierte.“ Er tritt in die SPD ein, für die er später im Rat der Stadt Aachen sitzen wird, und er studiert noch einmal: Politik, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften für den Lehrerberuf: „Ich hatte den Eindruck gewonnen, die Natur­wissenschaften haben mir die Welt nur zur Hälfte erklärt.“

Zehn Jahre lang leitete Harry Kurt Voigtsberger das Medien­berufskolleg der Stadt Köln, bis er 2003 Erster Landesrat, Kämmerer und Baudezernent des Landschafts­verbandes Rheinland wurde. Der LVR, eine Einrichtung der kommunalen Selbstverwaltung, arbeitet in der Behinderten- und Jugendhilfe, der Psychiatrie und der Kultur. Im Jahr 2008 übernahm Voigtsberger, der heute im grenznahen belgischen Eynatten-Raeren bei Aachen lebt, als Verbandsdirektor die Leitung des LVR.

Dass der Sozialdemokrat ausgleichend wirken und parteiübergreifend überzeugen kann, bewies schon seine Wahl zum Direktor des Landschaftsverbandes. Damals vereinigte er eine Mehrheit aus SPD, FDP, Grünen und Linken und Teile der CDU auf seine Person. Heute engagiert er sich als Minister für eine leistungsstarke und innovative Wirtschaft. Sie soll möglichst vielen Menschen über die Sicherung und Schaffung guter und wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze ein Leben in Würde ohne staatliche Zuschüsse ermöglichen.

Dazu kümmert er sich um die gesamte Palette der Wirt­schafts­­politik: von der Wirtschaftsförderung und der Handwerks- und Mittelstandspolitik bis zu Schwerpunkt­themen wie Fachkräfte- und Rohstoffsicherung, eine zukunftsfähige Energie­versorgung und vieles mehr. „Unsere Wirtschaftspolitik zielt nicht auf den billigsten, sondern auf den besten Standort. Sie bietet den Betrieben optimale Bedingungen, damit sie wachsen und im Wettbewerb bestehen können. Sie wirbt um Ansiedlungen aus dem In- und Ausland und fördert den Export.“ Dabei hilft ihm, dass er in seinem großen Ministerium an vielen Themen zugleich arbeiten kann: „Ob ich mich für Infrastruktur, Städtebau oder bezahlbare Energie einsetze – alles hat mit Wirtschaft zu tun. Und in diesem Super­ministerium können wir die reinen Wirtschafts­themen mit wichtigen Fragen von der Energie­wende bis zur Staube­kämpfung kombinieren.“

Jenseits aller kurzfristigen Effekte den Problemen auf den Grund gehen und gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Lösungen erarbeiten, das ist Voigtsbergers Devise. Ob er immer die Ernte einfährt, weiß der Minister nicht. Aber dass seine Arbeit nachhaltige Erfolge zeitigen wird, da ist er sich sicher. Und die Freude an dieser nachhaltigen Anstrengung kann man ihm durchaus anmerken.

Zum Ministerium:

Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Wolfgang Meyer-Piehl

Hier geht es direkt zum Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr.

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