Kabinett 15.07.2010 visual mit Blumen

Svenja Schulze


Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung


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Die Jugendlichen stehen dicht gedrängt. Viele sind mit Freund oder Freundin gekommen, weil die Universität Düsseldorf beeindruckend groß ist und weil hier ein neuer, aufregender Lebensabschnitt beginnen könnte: Das Studium. Die Abiturienten besuchen die „Woche der Studienorientierung“. Sie wollen sich informieren und sind gespannt auf die Ministerin.

Svenja Schulze begrüßt erst einmal alle. „Hier an der Uni haben wir ein tolles Beispiel dafür, wie eine richtig gute Beratung aussieht. Nutzen Sie sie.“ Als sie den Schülern anbietet, ruhig Fragen zu stellen, tuscheln einige verlegen. „Vor so vielen Menschen ist das schwierig“, sagt die Ministerin. „Ich bin noch eine Weile hier, sprechen Sie mich einfach an.“

Zwei Freundinnen beschließen, es zu riskieren, weil sie die Ministerin gut finden. „Kann man den Numerus Clausus für Medizin nicht abschaffen?“ Auch ein paar andere Schüler wollen Medizin studieren. Nur die Noten sind nicht gut genug. Svenja Schulze sagt ihnen, dass die Zahl der Plätze zwar erhöht würde. „Aber an einem NC kommen wir leider nicht vorbei. Ein Medizinstudienplatz kostet doppelt so viel wie ein normaler Studienplatz.“ Da müsse man doch sorgfältig auswählen, oder? Die Jugendlichen nicken zögernd. Sie haben nicht ernsthaft damit gerechnet, dass die Ministerin auf der Stelle den NC außer Kraft setzen würde. Und dass die Plätze so teuer sind, haben sie nicht gewusst.

Svenja Schulze nimmt sich viel Zeit, wenn sie in Gesprächen mit Studierenden oder Rektoren zu erklären hat, warum etwas nicht finanzierbar ist oder länger dauert. Das hängt auch mit der Ge­schichte ihres Amtes zusammen, mit der sozialdemokratischen Bildungsoffensive der 60er und 70er Jahre. Allein Johannes Rau baute als Bildungsminister 15 Universitäten und Fachhochschulen auf. Svenja Schulze gehört einer der Generationen an, die davon profitiert haben. „Da empfindet man eine Verpflichtung, etwas an andere weiterzugeben.“ Beste Bildung ohne Studiengebühren für alle – auch wenn nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann.

Die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung ist verantwortlich für 37 staatliche Hochschulen in NRW. Mit ihrer direkten Art erzeugt Svenja Schulze rasch eine Atmosphäre, in der Probleme klar benannt und im besten Fall gelöst werden können. Man merkt ihr an, dass sie früh angefangen hat, Verantwortung zu übernehmen.

1968 in Düsseldorf geboren, wird Svenja Schulze mit einem jüngeren Bruder in einem bürgerlichen Elternhaus groß. Der Vater ist Kraftwerker, die Mutter Sekretärin. „Wir waren immer eine diskussionsfreudige Familie.“ Weil die Mutter in einem Betriebsrat arbeitet, wird zu Hause auch über Gerechtigkeit und Interessenvertretung debattiert. Als Svenja Schulze in Neuss Abitur macht, ist sie Landesschülersprecherin. Als sie beginnt, in Bochum Germanistik und Sozialwissenschaften zu studieren, wird sie zur AStA-Vorsitzenden gewählt.

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Als sie ihr Studium beendet, ist sie längst Juso-Landesvorsitzendeund wird in den SPD-Landes­vorstand gewählt. Mit 19 Jahren zieht Svenja Schulze als jüngste Abgeordnete in den Düsseldorfer Landtag ein. Eine spannende Zeit, aber: „Ich hatte nie vor, Berufspolitikerin zu werden. Ich wollte mir ein berufliches Standbein außerhalb der Politik aufbauen.“

Nach der Wahl im Jahr 2000 verlässt sie den Landtag. Für eine Hamburger Unternehmensberatung unterstützt sie Kommunen und Landschaftsverbände bei deren Reor­ganisation. Dann wechselt sie zu einer internationalen Unternehmensberatung und arbeitet auch im europäischen Ausland. Sie lernt Betriebe und Verwaltungen von innen kennen, lernt viel über Stärken und Schwächen der Wirtschaft und  kehrt im Jahr 2004 in den Landtag zurück. Die Erfahrungen in der Wirtschaft kommen ihr als Ministerin zugute. Zwar bedeutet ein Studium für Svenja Schulze weit mehr als die Vorbereitung auf einen Beruf. „Aber die Anforderungen der Wirtschaft an Hochschulabsolventen zu kennen, halte ich für wichtig.“

Einen Schwerpunkt legt die Ministerin auf den Bereich Forschung, denn hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit der Initiative „Fortschritt NRW“ will die Ministerin Innovationen fördern, die mehr bedeuten als reine technologische Neuentwicklungen. „Es reicht heute nicht mehr, nur Ökonomie und Ökologie miteinander zu verbinden. Denn Innovationen sind zunehmend soziale Prozesse, Dienstleistungen und Lösungen, die die Folgen für Mensch, Gesellschaft und Umwelt gleichermaßen im Blick haben. Fortschritt im 21. Jahrhundert bezieht die soziale Frage zusätzlich mit ein“, erläutert die Ministerin.

Svenja Schulze wohnt mit ihrem Mann seit vielen Jahren in Münster – eine Art Stadt gewordene Universität. Wenn sie, am liebsten mit dem Rad, zum Wochenmarkt auf den Domplatz fährt, sieht sie überall Studierende. Und freut sich.

Zum Ministerium:

Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Wolfgang Meyer-Pie

Hier geht es direkt zum Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung.

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