Kabinett 15.07.2010 visual mit Blumen

Thomas Kutschaty


Justizminister


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Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Vohwinkel. Der Saal ist dicht besetzt. „Hier in der JVA war ich früher schon einige Male“, lächelt Thomas Kutschaty. „Als Anwalt. Man wurde immer freundlich empfangen. Ich kann mich gut an den Satz erinnern: Folgen Sie einfach den Punkten, dann finden Sie den Besprechungsraum.“ Den Punkten auf dem Fußboden, die den Weg markieren, ist der Justizminister an diesem Tag wieder gefolgt, allerdings an den Zimmern vorbeigegangen, in denen er früher Untersuchungsgefangene betreut hat.

An diesem Tag spricht der Minister zur Amtseinführung von Angela Wotzlaw, der neuen Leiterin der JVA. Es ist ein Anlass, über den er sich freut, weil in NRW immer mehr Frauen in die einstige Männerdomäne vordringen. Und er betont, dass die neue Leiterin und Mutter zweier Kinder in ihrer Karriere den Spagat zwischen Beruf und Familie gemeistert habe. „Persönliches Zeitmanagement, konsequente Gesprächs­führung und Entscheidungsfreude kann man also ebenso unbesehen voraussetzen wie Geduld und Gelassenheit auch in brenzligen Situationen.“

Thomas Kutschaty hat selbst drei Kinder. Während der  Ausbildung nahm er als einer der ersten männlichen Refe­rendare am Landgericht Essen Erziehungsurlaub. 1996 galt das noch als sehr ungewöhnlich. Aber seine Frau stand kurz vor ihrem Diplom. „Die Verwaltung hatte ein Problem, weil alle nötigen Formulare nur in weiblicher Form existierten.“ Für ihn war die Vaterzeit ein wichtiges Erlebnis, und vor allem seine jüngeren Kollegen fanden die Entscheidung gut.

1968 wird Thomas Kutschaty in Essen geboren. Der Vater ist Eisenbahner, die Mutter Hausfrau. Der einzige Sohn ist der Erste aus der Familie, der Abitur machen wird. Das empfindet er als Privileg, und dank engagierter Lehrer beginnt er früh, sich für Politik zu interessieren. Willy Brandt beeindruckt ihn, dessen politisches Ziel vom „Aufstieg durch Bildung“ er persönlich erreichen kann. Noch als Schüler tritt er in die SPD ein. Während des Studiums engagiert er sich in der Partei und ist Mitglied der Bezirksvertretung Essen-Borbeck. „Die langen Sitzungen am Abend waren nicht immer gut für die Klausuren.“ Allerdings führen die langen Sitzungen später in den Rat der Stadt Essen und 2005 in den Landtag.

Ursprünglich möchte Thomas Kutschaty Architektur studieren, entscheidet sich dann aber für Jura in Bochum und wird Anwalt. Als Justizminister ist er froh über die Erfahrungen, die er als Anwalt sammeln konnte. „Als Bürger an der Seite von Bürgern gewinnt man einen anderen Blick auf die Justiz.“ Mit diesem Blick stellt sich für ihn die grundsätzliche Frage, wie man Justiz besser auf Bürger ausrichten kann.

Dass mehr Prävention notwendig ist, hat der Anwalt immer gedacht, wenn er junge Menschen in U-Haft vertreten hat, weil eine Faustregel auf traurige Weise gelte: „Junge Kriminelle sind überwiegend männlich, haben eine schlechte Schulbildung und stammen aus sozial benachteiligten Stadt­teilen.“ Aus seinen Gesprächen mit jungen Straftätern weiß er, wie wichtig es ist, ihnen in der Haft einen Halt zu geben, um die hohen Rückfallquoten zu senken. „Wir müssen den Vollzug so gestalten, dass die Menschen nach der Haft ein straffreies Leben führen können. Wir brauchen berufsvorbereitende Schritte schon während der Haft.“

Auch die Arbeitsbedingungen in den Justizvollzugsanstalten schaut er sich genau an. Der hohe Krankenstand bereitet ihm Sorge, weil er den Mitarbeitern Überstunden aufbürdet und gleichzeitig der Auftrag so schwierig ist. In Wuppertal-Vohwinkel spricht Thomas Kutschaty auch darüber, wie viel Sensibilität und Konsequenz der Umgang mit Menschen unter den besonderen Umständen erfordert. „Bei meinen Besuchen habe ich aber feststellen können, dass die Bediensteten des nordrhein-westfälischen Justizvollzugs diese Eigenschaften mitbringen.“

Beim Empfang in der Kantine der JVA suchen viele das Gespräch mit dem Minister, der ungezwungen und bodenständig mit allen spricht. Wenn man ihn nach seinen Stärken fragt, klingt die Antwort ebenfalls bodenständig. „Gut zuhören und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können.“ Bodenständigkeit beweist er auch als Borbecker, der immer noch im Stadtteil seiner Kindheit wohnt.

Freizeit heißt für Thomas Kutschaty Familienzeit. Urlaub an der Nordsee – und ansonsten alles, was man gemeinsam unternehmen kann.

Zum Ministerium:

Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfale, Foto Wolfgang Meyer-Piehl

Hier geht es direkt zum Justizministerium.

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