Minister Remmel fordert Transparenz und neue Spielregeln für Banken und Versicherer – Gute Beratung statt hohe Provisionen

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Verbraucherinnen und Verbraucher werden von Kreditinstituten und Finanzdienstleistern weiterhin nicht ausreichend nach Bedarf beraten. 11.150 Mal haben sich Menschen im vergangenen Jahr deswegen hilfesuchend an die Verbraucherzentrale NRW gewandt, zum Beispiel wegen überteuerter Kredite, zu langer Laufzeiten von Versicherungen oder Finanzdienstleistungen, die gar nicht gewünscht waren. Ver­braucherschutzminister Johannes Remmel hat der Abzocke den Kampf angesagt. In den kommenden Wochen wird er sich bei den Verbraucherzentralen über die unlautere Beratung bei der Alters­vorsorge, mit Riesterrenten, Dispo-Krediten und Angeboten auf dem grauen Kapitalmarkt beschäftigen. Remmel: „Bei Banken und Versicherern gibt es weiterhin große Probleme mit Beratung, die nicht bedarfsorientiert ist. Im Vordergrund stehen oft nicht die Kundinnen und Kunden, sondern wirtschaftliche Anreize wie Provisionen oder Abschluss-Gebühren. Dieses System müssen wir beenden.“ Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, ergänzt: „Unsere Beratungsteams erleben täglich, wie Verbraucherinnen und Verbraucher über den Tisch gezogen worden sind. Ratsuchende müssen wirksamer vor den negativen wirtschaftlichen Folgen von Falschberatung und Fehlabschlüssen bei ihrer persönlichen Finanzplanung bewahrt werden.“

In der Düsseldorfer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW schilderte der Sohn eines Betroffenen dem Minister einen Fall, so wie die unabhängigen Finanzberater und -beraterinnen es vor Ort regel­mäßig erleben: Sein Vater, ein 80-jähriger Rentner mit einem sehr kleinen monatlichen Einkommen, benötigte einen Kredit von 7.000 Euro. Sein Kreditinstitut empfahl ihm aber die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 40.000 Euro sowie den Abschluss einer Rentenversicherung. Die Belastung ist so hoch, dass der Rentner den Kredit aus seinem Einkommen nicht zurückzahlen kann. „Die Finanzberatung ist für den Rentner zu einem finanziellen Fiasko geworden. Nicht die Taschen des ratsuchenden Rentners, sondern die von Bank und Beratern sollten gefüllt werden“, erklärt Remmel.

Verbraucherschutzminister Johannes Remmel fordert strengere gesetz­liche Vorgaben für Beraterinnen und Berater. „Der Schlüssel für eine bessere Finanzberatung ist die Eindämmung der provisionsorientierten Beratung. Bundesministerin Aigner hat zwar angekündigt, ein gesetz­liches Berufsbild für die unabhängige Beratung zu schaffen. Es fehlen aber nach wie vor klare gesetzliche Spielregeln. Wieder einmal sind Pläne von Ministerin Aigner auf der Strecke geblieben. Und darunter leiden müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher.“ NRW hat sich im Bundesrat für eine Verschärfung der Regelungen in der geplanten Finanzanlagenvermittlerverordnung eingesetzt und gefordert, dass erhaltene Provisionen umfassend offen gelegt werden müssen. „Wir brauchen Transparenz bei den Provisionen, dann können die Verbrau­cherinnen und Verbraucher erkennen, warum ihnen welche Produkte angeboten werden.“

Neben neuen Spielregeln für die Finanzberatung setzt sich Minister Remmel für eine Stärkung der unabhängigen Beratung durch die Verbraucherzentralen ein. „Die Beratungsstellen der Verbraucher­zentrale NRW sind für mich Garant für eine wirklich unabhängige Beratung in Finanzfragen. Deshalb haben wir im Jahr 2011 in Nord­rhein-Westfalen die institutionelle Förderung der Verbraucherzentrale um eine Millionen Euro erhöht“, so Remmel. Private Ver­mögensbildung benötigt neben einer stärkeren Finanzaufsicht ein dichtes Netz anbieterunabhängiger Finanzberatung, damit sich Verbraucherinnen und Verbraucher im Vorfeld von Entscheidungen ein besseres Bild von der individuell richtigen Strategie zur Vermögens­bildung und privaten Altersvorsorge machen zu können. „Wir begrüßen, dass das Landesverbraucherministerium hierbei ebenfalls dringenden Handlungsbedarf sieht und unseren Ausbau an neutralen Honorar­beratungen unterstützt“, so Müller.  Und der Bedarf an unabhängiger Beratung steigt, wie die Statistik der Verbraucherzentrale NRW zeigt:

Anzahl Beratungsangebote

2010

2011

Geldanlage, Altersvorsorge

1.260

1.289

Immobilienfinanzierung
(inklusive Anschlussfinanzierung)

765

795

Schadensfall Kapitalanlage

783

1.402

Versicherungsberatung

5.788

7.065

Schadensfall Versicherung

448

544

Bauträger- und Architekten­vertragsprüfungen

37

55

Gesamt

9.081

11.150


Minister Remmel fordert eine bessere Finanzausstattung der Verbraucherberatung: „Um dauerhaft eine starke und unabhängige Verbraucherberatung zu garantieren, müssen wir die Wirtschaft an der Finanzierung beteiligen.“ Ein Rechtsgutachten im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums zeigt, dass Bußgelder, die das Bundes­kartellamt verhängt, auch in die Verbraucherberatung fließen können. Würde man 20 Prozent von den jährlich schätzungsweise 200 Millionen Euro Bußgelder abschöpfen, könnten 40 Millionen Euro zur Unterstüt­zung der Verbraucherarbeit an Verbraucherorganisationen fließen.

Verbraucherschutzminister Johannes Remmel wird seine Tour in den kommenden Wochen fortsetzen und sich bei mehreren Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW über die Probleme mit Beratung und Finanzdienstleistungen informieren.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Telefon 0211 4566-748 (Stephan Malessa).


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