25 Jahre Landesverdienstorden: Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus

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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Die Staatskanzlei teilt mit:

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat heute in der Staatskanzlei in Düsseldorf 16 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Dabei erinnerte die Ministerpräsidentin daran, dass der Landesverdienstorden seit 25 Jahren verliehen wird. Ministerpräsident Johannes Rau hatte das Gesetz 1986 initiiert, der Landtag beschloss die Einführung in einem einstimmigen Votum. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „An diesem großen Konsens über die Notwendigkeit und den Sinn des Landesordens hat sich bis heute nichts geändert. Auch, weil die Gründe, die vor 25 Jahren genannt wurden, nach wie vor aktuell sind: Weil wir immer wieder Vorbilder brauchen, weil wir Bürgerinnen und Bürger brauchen, die sich für andere stark machen, weil wir den Kälteströmen einer hoch technisierten und individualisierten Gesellschaft menschliche Wärme entgegen setzen müssen. Eine solche Gesellschaft braucht ganz besonders Frauen und Männer, die Werte wie Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität vorleben.“

Die Ministerpräsidentin dankte den 16 Bürgerinnen und Bürgern, denen sie diese besondere Auszeichnung des Landes verlieh, für ihr großes Engagement, das sie in den einzelnen Laudationes würdigte.

Der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen wird an Bürgerinnen und Bürger aus allen Gruppen der Bevölkerung verliehen, deren außerordentliche Verdienste für die Allgemeinheit in allen Lebensbereichen erworben wurden. Die Zahl der Landesorden ist auf 2.500 begrenzt. In den 25 Jahren seines Bestehens sind bisher insgesamt 1.374 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.

Den Landesorden erhalten:

  • Margarete Bick aus Solingen
  • Ilona Füchtenschnieder-Petry aus Bielefeld
  • David Garrett aus New York
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Onur Güntürkün aus Bochum
  • Herbert Krämer aus Königswinter
  • Dr. Wolfgang Kuhr aus Münster
  • Jacques Marx aus Mülheim an der Ruhr
  • Prof. Dr. Renate Mayntz aus Köln
  • Robert Rademacher aus Köln
  • Elsbeth Schlick aus Greven
  • Hubertus Schmoldt aus Soltau
  • Prof. Dr. Barbara Schock-Werner aus Köln
  • Julia Stoschek aus Düsseldorf
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Streeck aus Brühl
  • Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth aus Neuss
  • Dr. Jürgen Wilhelm aus Bergisch-Gladbach


Die Laudationes im Wortlaut:


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Margarete Bick aus Solingen

„Der Mensch ist nicht das Produkt seiner Umwelt – die Umwelt ist das Produkt des Menschen.“ Diese Erkenntnis hatte der britische Politiker Benjamin Disraeli vor rund 200 Jahren.
Margarete Bick leitet aus dieser – nach wie vor aktuellen – Erkenntnis konkrete Taten ab: Seit über 20 Jahren lebt sie für den Schutz unserer Umwelt. Sie ist Mitinitiatorin der Solinger Agenda 21, eines Grundsatzpapiers der Stadt zur nachhaltigen Entwicklung auf der Grundlage der Ergebnisse der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro. 10 Jahre lang organisierte sie die jährliche Veranstaltung „Agenda 21-Nachtcafé“, bei der Repräsentanten aus Verwaltung, Natur- und Umweltschutz mit Interessierten über Themen wie Klimaschutz und ökologische Landwirtschaft diskutierten.

Neben dem globalen Umweltschutz liegen Margarete Bick besonders die alltäglichen, unspektakulären Maßnahmen am Herzen: Abfall- und Wassersparprojekte, das CarSharing in der Kirchengemeinde, eine Solaranlage auf dem Dach der Ketzberger Kirche und der Verkauf von „fair“ gehandelten Produkten.

Und Margarete Bick hilft, wo immer sie kann: Mal betreute sie Flüchtlinge und Asylbewerber in Solingen, mal half sie Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Kosovo beim Neustart in ihrer Heimat. Sie kümmerte sich mit der Initiative „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ um Menschen, die rechtsradikaler Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind; sie initiierte ein „SOS-Telefon“ und weitere beeindruckende Einzelmaßnahmen.

Margarete Bick sorgt tagtäglich dafür, dass die Umwelt als Produkt des Menschen ein gutes Produkt ist. Dafür sage ich im Namen der Menschen in Nordrhein-Westfalen: Herzlichen Dank!


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Ilona Füchtenschnieder-Petry aus Bielefeld

Unsere heutige Gesellschaft bietet so viele Chancen und Möglichkeiten wie selten zuvor. Aber sie hat auch Schattenseiten. Dazu gehören zunehmend Suchtproblematiken. Lange verkannt dabei: die Glücksspielsucht.

Ilona Füchtenschnieder-Petry war eine der ersten, die das hohe Gefährdungspotential des scheinbar harmlosen Glücksspiels erkannte. Seit 1987 bekämpft sie beruflich und in ihrer Freizeit diese Suchtkrankheit.

  • 1987 gründete sie in Deutschland die erste Beratungsstelle in Herford.
  • 1990 schlossen sich auf ihre Initiative alle in der ambulanten und stationären Therapie Tätigen in Deutschland zum heutigen „Fachverband Glücksspielsucht e.V.“ zusammen, dessen Vorsitz sie 1998 übernahm.
  • Einer ihrer großen Erfolge war 1991 die Anerkennung von pathologischen Glücksspielern als Suchtkranke.

Ilona Füchtenschnieder-Petry setzt sich unermüdlich für ihre Sache ein: Sie organisiert wissenschaftliche Fachtagungen, hält Vorträge, schreibt Bücher und initiiert Universitätsstudien. Erfolgreich unterstützte sie Spielsüchtige in Prozessen gegen Spielbanken. Auch die Jugend- und Spielschutzmaßnahmen im heutigen Glücksspielgesetz sind ihrer Überzeugungsarbeit und Beharrlichkeit zu verdanken.Das Fachwissen von Ilona Füchtenschnieder-Petry ist gefragt, sei es im Vorstand der „Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen“, der bundesweit größten Organisation, im Beratergremium „Fachbeirat Glücksspielsucht“ der Innenministerien oder als Dozentin für den „Masterstudiengang Suchthilfe“ der Katholischen Fachhochschule in Köln.
Neben all dem nimmt sie sich immer wieder Zeit, um Betroffene via Internet oder Telefon Rat zu geben – bis weit in die Nacht hinein und auch an Wochenenden. NRW sagt danke für dieses Engagement!


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

David Garrett  aus New York (USA)

Kein Klassik-Album hat sich in den vergangenen Jahren so gut verkauft wie David Garretts „Classic Romance“, das im November 2009 veröffentlicht wurde. In den Klassik-Jahrescharts von Media Control landete er auf Platz eins. David Garrett ist jedoch auch in den gesamten Albumcharts erfolgreich: Er war mit Unterbrechungen 45 Wochen unter den Top 100 platziert.

Der Ausnahmekünstler wurde 1980 in Aachen geboren. Mit vier Jahren entdeckte er seine Liebe zur Violine, hatte mit 10 Jahren seinen 1. Auftritt in der Hamburger Philharmonie und stand mit 13 Jahren bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft unter Vertrag. Als 18-jähriger entschied er sich – obschon ganz oben auf der Ruhmesleiter – für ein Studium der Musikwissenschaft und Komposition an der renommierten Juilliard School. Das Studiengeld verdiente er sich bei Gelegenheitsjobs, u. a. als Straßenmusikant.

Der klassisch versierte Künstler David Garrett findet mit unverstelltem Blick auf Tradition und Moderne einen neuen Stil. Er vereint klassische Elemente mit denen der Rock- und Popmusik. Vor allem diese Mischung aus Perfektion und Offenheit, Kompromisslosigkeit und Grenzüberschreitung erklärt seinen überwältigenden Erfolg. David Garrett konzertiert weltweit mit den besten Partner-Orchestern, Ensembles oder Begleitern. Er verbindet wie kein Zweiter klassische Virtuosität ohne Brüche mit populären Musikformen und Rockbands oder performt populäre Songs. David Garrett begeistert als Spitzenvirtuose sein Publikum weltweit. Ihm gelingt es, vielen Menschen die Tür zur klassischen Musik zu öffnen und ihr Interesse zu wecken.

Der Star der Klassikszene und Publikumsliebling der ganzen Musikwelt ist dabei immer auch Botschafter Deutschlands, seiner Kultur und seines Heimatlandes. Nach hier kehrt er regelmäßig zu Konzerten und unterschiedlichsten Anlässen zurück. Er ist Botschafter für unser Nordrhein-Westfalen.Unter anderem erklärte er sich im November letzten Jahres spontan bereit, den finanziellen Erfolg des Benefizkonzertes zu Gunsten des Stipendienfonds der Stiftung jedem Kind ein Instrument (JEKI) in Köln durch seinen Auftritt als Stargast zu sichern; wieder einmal verzaubert er uns mit seiner Musik und berührt unsere Herzen.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Professor Dr. Dr. h.c. Onur Güntürkün aus Bochum

Warum die Mehrzahl der Menschen beim Küssen ihren Kopf nach rechts legt und worin die faszinierenden Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Denken liegen – der Biopsychologe Onur Güntürkün erforscht Themen, die Laien und Wissenschaftlicher gleichermaßen begeistern. Onur Güntürkün bewegt sich souverän zwischen zwei Kulturen, die ihn geprägt haben. Mit seinem Vorbild vermittelt er Deutschen und Türken, insbesondere jungen Menschen mit Migrationshintergrund, den Wert von Lernen und Bildung.

Sein Weg war nicht einfach: Der kleine Junge aus Izmir erkrankte mit vier Jahren an Kinderlähmung. Seit frühester Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen, kam er 1964 erstmals nach Deutschland und verbrachte hier Teile seiner Schulzeit. Nach seinem Abitur 1975 in der Türkei nahm Onur Güntürkün trotz aller Beschwernisse im Alltag das Studium in der Psychologie Bochum auf. Hier begann bald seine glanzvolle Karriere, denn schon als junger Wissenschaftler erhielt er den Preis der Ruhr-Universität Bochum für besonders herausragende wissenschaftliche Arbeiten. Inzwischen ist er auf dem Gebiet der Biopsychologie national und international anerkannt und Mitglied renommierter wissenschaftlicher Gesellschaften.
Seine Faszination für die moderne Biopsychologie versteht der exzellente und ambitionierte Hochschullehrer auf jedermann zu übertragen. In Vorträgen zu Anlässen wie der KinderUni oder bei Projektwochen der SchülerUni erklärt er voller Spannung und Witz für alle verständlich höchst interessante Sachverhalte. Zugleich gelingt es ihm, mit einfachen Experimenten tiefe Wahrheiten offenzulegen.

Dem in Bochum lebenden Onur Güntürkün ist der wissenschaftliche, persönliche und gesellschaftliche Austausch mit seinem Geburtsland überaus wichtig. Seiner aktiven Vermittlung zwischen den akademischen Kulturen der Türkei und Deutschlands sind Vereinbarungen zwischen Bochum und Istanbul, aber auch mit anderen türkischen Universitäten, über gemeinsame Studienabschlüsse und Promotionen zu verdanken. Onur Güntürkün ist mit seiner vorbildhaften integrativen Persönlichkeit ein würdiger Vertreter für den Landesorden.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Herbert Krämer aus Königswinter

Viele von Ihnen werden das Siebengebirge seit Kindheit kennen: Der Drachenfels ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel – wahrscheinlich das – Ausflugsziel für Klassenfahrten, und der Blick vom Drachenfels auf das Siebengebirge gibt einen ersten Eindruck von der Schönheit dieses Naturschutzgebiets. Vielleicht war so ein Klassenausflug auch Auslöser für Herbert Krämer, sich für den Erhalt dieses wunderschönen Teils von Nordrhein-Westfalen einzusetzen. Seit über 30 Jahren ist Herbert Krämer jetzt ehrenamtlicher Vorsitzender des „Verschönerungsvereins für das Siebengebirge“. Damit das Siebengebirge seine Anziehungskraft behält, sieht Herbert Krämer seine Verantwortung als Vorsitzender vor allem darin,

  • das Erholungsgebiet mit der Natur in Einklang zu bringen, ohne dass es seine Attraktivität für jedermann verliert,
  • das Bewusstsein für den Umweltschutz bei geführten Wanderungen und Familienveranstaltungen zu schärfen und
  • Schulklassen über Naturschutz, Kulturlandschaften und naturnahe Erholung zu informieren.

Der Erfolg von Herbert Krämer und seinem Verein ist beeindruckend: Bereits siebenmal hat der Verschönerungsverein das Europadiplom des Europarats für besondere Leistungen um den Naturpark Siebengebirge erhalten. 2010 wurde der Naturpark um mehr als das Doppelte erweitert und hier das erste Wildnisgebiet in Deutschland eingerichtet: Eine nicht mehr forstwirtschaftlich genutzte Fläche, die der Natur überlassen wird. Die Natur wird es Herrn Herbert Krämer danken und wir tun das auch!


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Dr. Wolfgang Kuhr aus Münster

Solidarität hat in Nordrhein-Westfalen Tradition. Und auch für Wolfgang Kuhr, der sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich im sozialen Bereich engagiert. Das alles neben seinem Beruf als Oberkreisdirektor des Kreises Herford, als Vorstandsmitglied der Westdeutschen Landesbank und zuletzt als Rechtsanwalt.

Von 1974 bis 1995 amtierte Wolfgang Kuhr als Schatzmeister des Konvents der Westfälischen Genossenschaft des Johanniterordens in Bad Oeynhausen. In dieser Zeit erwirtschaftete er die finanzielle Grundlage für eine Verdreifachung der Bettenkapazität in den Ordenshäusern und den Ausbau zu einer hoch spezialisierten Rehabilitations-Fachklinik. Daneben brachte er, salopp gesagt, den Landesverband Westfalen-Lippe des Deutschen Roten Kreuzes als dessen Präsident „auf Vordermann“ – sowohl in organisatorischer als auch in finanzieller Hinsicht.
Auch dem gemeinsamen Blutspendedienst der beiden DRK-Landesverbände in Nordrhein-Westfalen, der 80 Prozent der Krankenhäuser im Land mit Blutpräparaten versorgt, gab Wolfgang Kuhr eine neue Organisation. Seine überzeugende Vorarbeit im Aufsichtsrat des nordrhein-westfälischen Blutspendedienstes führte zur Fusion mit dem Blutspendedienst der DRK-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Saarland.

Welche Aufgabe Wolfgang Kuhr auch übernimmt, ob im Stiftungsrat der Rotkreuzstiftung „Zukunft für Menschlichkeit“, im Westfälischen Heimatbund oder als Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft an der Wilhelms-Universität in Münster: Wolfgang Kuhr ist stets mit 150prozentigem Einsatz – und mit mindestens ebensolchem, neudeutsch gesagt, „Output“ – dabei. Dafür gebührt ihm unsere besondere Anerkennung.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Jacques Marx aus Mülheim a.d. Ruhr

Was wäre die jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen ohne Jacques Marx!
Wer sich auf die Aufgabe des Vorsitzenden einer jüdischen Gemeinde einlässt, muss in vielem die Balance finden:

  • zwischen Tradition und Zukunft,
  • zwischen der Konzentration auf das religiöse Leben und der Öffnung für weltliche Fragen,
  • zwischen der Integration neuer Mitglieder in die religiöse und in die weltliche Gemeinschaft.

Jacques Marx ist dies in all den fast 40 Jahren gelungen, in denen er der Gemeinde vorstand: „seiner“ jüdischen Gemeinde. Rund 60 Gemeindemitglieder waren es 1971. Als Jacques Marx 2010 sein Amt als Vorsitzender niederlegte, war die Gemeinde auf fast 3000 Mitglieder angewachsen - vor allem durch die große Anzahl von Glaubensbrüdern, die Anfang der 1990er Jahre aus der früheren UdSSR zugezogen sind. Hervorragend löste er die äußerst schwierige Aufgabe, die neuen Mitglieder in das Gemeindeleben zu integrieren und ihnen den Start in der neuen Heimat zu erleichtern. Mit großem Zeit- und Arbeitsaufwand schaffte er für sie alle das neue Gemeindezentrum im Duisburger Innenhafen. Mit überragender Dialogbereitschaft und Dialogfähigkeit in der Gemeinde selbst und darüber hinaus prägt er bis heute vorbildlich das offene und tolerante Miteinander der Religionen.

Jacques Marx ist zudem langjähriges Vorstandsmitglied des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein-Westfalen – auch dies eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Bei allem ist und bleibt Jacques Marx ein herausragender Gestalter, der, wenn nötig, mit der ihm eigenen Autorität mahnt und handelt. Der Orden ist auch Dank für diesen Einsatz.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Professorin Dres. h.c. Renate Mayntz aus Köln

Wer Insidern die Frage stellt, mit welchem Namen die Sozialwissenschaften in Nordrhein-Westfalen und in ganz Deutschland verbunden werden, wird den Namen von Renate Mayntz zu hören bekommen. Sie hat an der Universität zu Köln ganze Generationen von Sozialwissenschaftlern geprägt. Mit ihr ehren wir eine herausragende Persönlichkeit der empirischen Sozialforschung von internationalem Ruf. Die Gründungsdirektorin des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln ist mit Abstand die einflussreichste deutsche Sozialwissenschaftlerin und regelmäßig bei Kongressen und Tagungen anzutreffen. Ihre Arbeiten umfassen nahezu das gesamte Spektrum der Sozialwissenschaften. Köln und damit auch Nordrhein-Westfalen ist nicht zuletzt durch ihre Arbeit eine erste Adresse in der Sozialwissenschaft. Fast alle ihre Publikationen sind heute Standard. Noch immer veröffentlicht sie aktuelle Beiträge. Erst 2009 gründete sie ein Netzwerk von 20 internationalen Wissenschaftlern, um die Regulierung der Finanzmärkte zu erforschen.

Renate Mayntz hat wissenschaftliche Meilensteine gesetzt und hinterlässt durch ihre Politikberatung auch nachhaltige Spuren in der politischen Praxis. Für zahlreiche Ministerien verfasste sie Expertisen, als Mitglied im Deutschen Bildungsrat und in der Studienkommission zur Reform des Öffentlichen Dienstrechts. Als Gutachterin des Wissenschaftsrats wirkte sie an der Auflösung und Umgestaltung der Akademie der Wissenschaften der ehemaligen DDR mit. Renate Mayntz war immer gefragt. Trotz all ihrer Nähe zu politischen Institutionen hat sie sich aber nie vereinnahmen lassen.

Für ihr Lebenswerk wurde Renate Mayntz im vergangenen November mit dem Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, einem der bedeutendsten deutschen Forschungspreise. Ihr international hoher wissenschaftlicher Rang ist durch mehrere Ehrendoktorate und Gastprofessuren im Ausland belegt. Es ist geradezu überfällig, heute ihre Verdienste für das Land Nordrhein-Westfalen, in dem sie seit so vielen Jahren lebt und wirkt, durch den höchsten Orden des Landes zu würdigen. Nicht nur als Wissenschaftlerin, sondern als Frau und Mensch.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Robert Friedrich Rademacher aus Köln

Es soll ja Menschen geben, die nur entweder Düsseldorf oder Köln mögen. Anders Robert Friedrich Rademacher: Robert Friedrich Rademacher ist ein Freund von Düsseldorf und von Köln.

  • In Düsseldorf machte er als Vorsitzender die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. mit heute 900 Mitgliedern zum zweitgrößten Förderverein eines Museums in Deutschland.
  • In Köln ist er u.a. Kurator und Mäzen des Wallraf-Richartz-Museums und der Sammlung Ludwig.

Meilensteine der Kunst sind das eine, die „Auto-Meile“ am Höherweg in Düsseldorf ist das andere Großprojekt von Robert Friedrich Rademacher. Ein El Dorado für Autoliebhaber mit Autohäusern verschiedenster Marken und Dienstleistern rund ums Auto. Seine Idee hat viele Nachahmer gefunden.

Im Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Nordrhein-Westfalen e.V. und im Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes

  • gibt Robert Friedrich Rademacher dem mittelständischen Kfz-Gewerbe ein eigenes Profil und vertrauenswürdiges Image,
  • hat er die jährliche Wirtschaftspressekonferenz über Trends im nordrhein-westfälischen Kraftfahrzeuggewerbe zu einer festen Institution gemacht und
  • ist Ideengeber landesspezifischer Aktionen.

Dabei griff er schon in den 1980er Jahren Umweltthemen, wie Sommersmog und Katalysatortechnik auf und erklärte den Autofahrern den Sinn von regelmäßigen Abgasuntersuchungen. Seit 2006 ist er Präsident des Zentralverbands des Kraftfahrzeuggewerbes und gefragter Gastredner bei Veranstaltungen. Ein solcher Einsatz, der verdient einen Landesorden.


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Elsbeth Schlick aus Greven

Elsbeth Schlick gestaltete den wirtschaftlichen Aufschwung des ehemals kleinen elterlichen Handwerksbetriebs zur Schlickgruppe aktiv mit. Von 1985 bis zum Verkauf 1997 leitete sie den europäischen Marktführer für Strahlanlagen und Sondermaschinen mit zuletzt 380 Beschäftigten. Als sechs ehemalige leitende Angestellte einen Neuanfang wagten, half Elsbeth Schlick bis 2001 als angestellter „Business-Angel“ mit Kapital und Know-how. Die heutige AGTOS GmbH bietet 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Arbeitsplätze in Emsdetten und Polen.

Elsbeth Schlick - ein Urgestein der Grevener FDP - nutzt ihren politischen Einfluss im Rat unter anderem als längjährige Fraktionsvorsitzende, um die Lebensqualität in ihrer Stadt voranzubringen. Sinnvolle und pragmatische Lösungen vor allem für „ihren“ Ortsteil Reckenfeld mit seiner schwierigen Verkehrslage stehen ganz oben auf ihrer Agenda. Und was wäre die Stadt ohne Kunst? Elsbeth Schlick gab 1988 den Anstoß zum „Kunstverein Greven e.V.“ und hilft als Beiratsmitglied und Mäzenin jungen Künstlerinnen und Künstlern mit usstellungsmöglichkeiten. Mit ihrer Beteiligung entstanden der Förderverein „Museum an der Ems Greven e.V.“ und die überaus erfolgreiche Ausstellung in der Alten Post zum Stadtjubiläum im Jahre 2000.

2009 wollte Elsbeth Schlick ihr Ziel, „erlebnisreich zu altern“ verwirklichen. Jüngere sollten ihre Aufgabe übernehmen. Das Wahlergebnis zeigte ihr aber, dass es zum Altern noch zu früh war. Sie schulterte wieder ihre Aufgabe als dienstältestes Ratmitglied und damit als „Alterspräsidentin“. Und so gilt: Elsbeth Schlick ist nach 35 Jahren Kommunalpolitik „erlebnisreich jung geblieben“.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Hubertus Schmoldt aus Soltau

Gewerkschafter als Beruf, ich meine: aus Berufung – das ist Hubertus Schmoldt. Von 1995 bis 2009 prägte er erst die IG Papier-Chemie-Keramik und anschließend die fusionierte IG BCE. Wenn es das Wort „Sozialpartnerschaft“ nicht gäbe, müsste man es für die Arbeit dieser Gewerkschaft unter der Leitung von Hubertus Schmoldt erfinden. Eine Partnerschaft, bei der die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nie zu kurz kamen, sondern in beispielhafter Weise durchgesetzt wurden. Eine Partnerschaft, die zugleich als zentrale Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gilt. Mit Hubertus Schmoldt wurden in mehr als drei Jahrzehnten aus Konfliktparteien Kooperations- und Sozialpartner. Das Ergebnis sind zeitgemäße Flächentarifverträge und Rahmenvereinbarungen zur Altersvorsorge, Familienpolitik, Chancengleichheit, Ausbildung und Bildung, Qualifizierung. Auch der aktuelle Abschluss in der Chemie steht übrigens in der Tradition, die Hubertus Schmoldt getragen und aufgebaut hat.

Weil Hubertus Schmoldt vor allem in Klimaschutz und Ökologie Anreize für Forschung und technologische Innovationen mit einem großen Potenzial neuer Arbeitsplätze sieht, wirbt er für die Akzeptanz neuer Technologien und damit verbunden für eine „strategische Industriepolitik“, die auf hochmoderne, effiziente und sichere Industrieanlagen setzt. Für ihn war immer klar: Nur eine moderne Branche, die im Wettbewerb Stand hält, kann auch sichere Arbeitsplätze und gute Löhne bieten.

Hubertus Schmoldt arbeitete ehrenamtlich in zahlreichen Beschäftigungsprojekten und Projekten zur Berufsorientierung mit. Weiterhin ist er Kuratoriumsmitglied der Stiftung Wittenberg Zentrum für einen globalen Ethik-Kodex in der Chemie-Industrie, Senatsmitglied der Deutschen Nationalstiftung und der Max-Planck-Gesellschaft.

Gerade für unser Land Nordrhein-Westfalen hatte der besonnene Kurs von Hubertus Schmoldt eine enorme Bedeutung. Ohne diesen Kurs hätte der tiefe Strukturwandel – vor allem im Ruhrgebiet – zu sozialen Brüchen geführt.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
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Professorin Dr. Barbara Schock-Werner aus Köln

Das hätte sich der altehrwürdige Hohe Dom zu Köln noch vor wenigen Jahrzehnten nicht träumen lassen: In der über 750-jährigen Geschichte übernimmt  die Architektin und Kunsthistorikerin Barbara Schock-Werner als erste Frau 1999 die Position der Dombaumeisterin und Leiterin der Kölner Dombauhütte. Mit einem neuen Führungsstil, der verstärkt die Teamarbeit der rund 60 Mitarbeiter fördert und fordert, schlug sie behutsam neue Wege ein.

Ihrer Initiative sind maßgeblich zu verdanken

  • der Einbau des Südquerhausfensters nach einem Entwurf von Gerhard Richter,
  • eine neue Beleuchtung für den Dom,
  • ein neuer Zugang zur Turmbesteigung auf dem Roncalliplatz,
  • die Umgebungsbebauung, die Sauberkeit am Dom und Bepflanzung in Dom-Nähe,
  • die Restaurierung und der Wiederaufbau des Petrusbrunnens.

Zu ihren zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben gehören

  • Abendtermine mit ehrenamtlichen Führungen,
  • Treffen mit Sponsoren und Stiftungen,
  • Exkursionen und Praktika für Studierende,
  • Mitarbeit im Beirat der europäischen Vereinigung für das Gestaltende Handwerk (eacd) zum Erhalt der Kathedralen,
  • im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Burgenvereinigung (DBV),
  • im Wissenschaftlichen Beirat des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz,
  • im Vorstand der Nordrhein-Westfalen Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

Welche Aufgaben Barbara Schock-Werner auch übernimmt: Sie engagiert sich hier wie dort im höchsten Maße. Trotz des immensen Pensums findet sie Zeit, sich im Stiftungsrat der Malteser-Stiftung für notleidende Menschen einzusetzen. Ich kann nur sagen: Sie ist ein Glücksfall für Nordrhein-Westfalen.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Julia Stoschek aus Düsseldorf

„Sie ist für deutsche Sammler eine Ausnahmeerscheinung, da sie eher nach amerikanischem Vorbild Institutionen fördert.“ Das sagt der deutsche Starkurator und heutige Leiter der Medienabteilung des Museums of Modern Art (MoMA) in New York Klaus Biesenbach über Julia Stoschek in ihrer Eigenschaft in der MoMA-Ankaufskommission.

Vor einem Jahrzehnt verschrieb sich Julia Stoschek, Urenkelin des Firmengründers Max Brose und Gesellschafterin der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, allein der Kunst. Die studierte Betriebswirtin gilt dank ihrer Leidenschaft für die Kunst und trotz ihrer jungen Jahre nun eher als eine „Kunstbetriebs-Insiderin“ und ausgewiesene Kennerin zeitbasierter Medien. Die gesamte Kunstwelt war überrascht, als sie innerhalb kürzester Zeit eine private Kunstsammlung von herausragendem Format aufbaute. Die „Julia Stoschek Collection“, deren Herzstück sicher die Videos sind, umfasst mehr als 400 Sammlungsstücke, neben Installationen und Fotografien auch Malerei und Skulpturen. Diese stellt sie seit 2007 in einer für ihre Zwecke umgebauten ehemaligen Fabrik in Düsseldorf-Oberkassel aus.

„Künstler sind Genies, die mich glücklich machen“ – so beschreibt Julia Stoschek ihre Glücksgefühle und pflegt ausgezeichnete Kontakte zu internationalen Künstlerinnen und Künstlern, zu Kuratorinnen und Kuratoren und kooperiert mit international anerkannten Institutionen.

Mutig und wichtig ist ihr Engagement beim Erwerb unbekannter, noch nicht etablierter Werke, aber auch als Initiatorin und Gründerin des JUST-Stipendiums für junge Künstlerinnen und Künstler.

Wir sind froh, dass Julia Stoschek dem Trend entgegen nicht nach Berlin abgewandert ist und stattdessen mit ihrer ausgezeichneten Sammlung zur Medienkunst in beeindruckenden Ausstellungsräumen hier in Düsseldorf eine Lücke geschlossen hat, die Kunstfreunde aus der ganzen Welt anzieht.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Streeck aus Brühl

Der Vita von Wolfgang Streeck ist zu entnehmen, dass er eine Vorliebe für die Vereinigten Staaten von Amerika hat. Seine Liebe zu den USA ging sogar so weit, dass er ganz dort bleiben wollte. Dann ereilte ihn 1995 der Ruf, am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung die Nachfolge von Renate Mayntz anzutreten. Diesem Angebot konnte er nicht widerstehen. Er hat seitdem das Profil und die Entwicklung des Instituts stark geprägt:

  • Inhaltlich durch eine Überarbeitung und Neuausrichtung des Forschungsprogramms,
  • Räumlich durch den Bezug des Neubaus 1998, der die weitere Entwicklung der Forschungsarbeit am Standort Köln sichert,
  • Durch Gründung – gemeinsam mit der Universität Köln – der „International Max Planck Research School“, mit der das erste Graduiertenprogramm im Bereich der Wirtschaftssoziologie und politischen Ökonomie in Deutschland etabliert wird.

Nicht von ungefähr erreicht das Institut, das mit der wesentlich von Wolfgang Streeck mitbestimmten Forschungsthematik und Forschung im Zentrum aktueller Auseinandersetzungen steht, eine exzellente Bewertung durch den Wissenschaftsrat. Von jeher fasziniert Wolfgang Streeck das Spannungsverhältnis von demokratischer Politik und kapitalistischer Wirtschaft. Dabei ist er selbst bekennender Anhänger des „rheinischen Kapitalismus“, der für ihn im Modell der sozialen Marktwirtschaft seinen Ausdruck gefunden hat. 

Der international anerkannte Wissenschaftler arbeitet als Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten renommierter Forschungseinrichtungen, als Vorsitzender in wissenschaftlichen Gesellschaften und an zahlreichen Projekten anderer Forschungseinrichtungen mit. Mit seinen Arbeiten schlägt Wolfgang Streeck Brücken zwischen Theorie und Politik und liefert wertvolle Anstöße zur politischen Diskussion über zentrale Fragen moderner Gesellschaften.


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Professorin Dr. phil. Dr. h. c. mult. Rita Süssmuth aus Neuss

„Das Volk ist unser Tarifpartner – ein sehr wirksamer dazu.“ Diese Erkenntnis stammt von Rita Süssmuth. Und Rita Süssmuth lebt diese Erkenntnis. Seit jeher, in all ihren Ämtern und Funktionen – als Mensch im allgemeinen und als Frau im speziellen.

Schlagworte, die für sie als erste deutsche Familienministerin stehen, sind:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • Wahlfreiheit für Mütter und Väter bei der partnerschaftlichen Gestaltung des Familienlebens,
  • Anerkennung von drei Kindererziehungsjahren in der gesetzlichen Rente für Mütter und Väter und
  • Erziehungsurlaub mit Anspruch auf Wiedereinstellung.

Auch der Einsatz für junge Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Erziehungswissenschafterin:

  • Als Gründerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung 1994 und anschließend bis 2002 als Vorsitzende der Gesellschafterversammlung stieß sie innovativ Fördermöglichkeiten für junge Menschen an,
  • sie beteiligte sich 2004 an der Weiterentwicklung ganztägiger Schulangebote,
  • Rita Süssmuth entwickelte von 1998 bis 2003 als Kuratoriumsmitglied der Bertelsmann-Stiftung mit der Schulministerin Lehrmaterial für das Modellprojekt „Musikerziehung in Kindergärten und Grundschulen“.

Und ganz wichtig: Sie scheute sich 1987 nicht, das damals noch höchst tabubeladene Thema „AIDS“ anzugehen. „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Kranken“ war ihre Strategie der Prävention und Aufklärung. Internationale Migration, Entwicklungspolitik und Menschenrechte sind weitere Themen, mit denen sie sich in Forschungsinstituten und Vorständen auf Bundes-, EU- und UNO-Ebene aktuell einbringt. Rita Süssmuth ist und bleibt ein „Global Player“ im besten Sinn. Und das Volk als ihr Tarifpartner, wie sie es so passend ausgedrückt hat, sagt danke!


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Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011
Ministerpräsidentin Kraft zeichnet 16 Bürgerinnen und Bürger mit Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus, 07.04.2011

Dr. Jürgen Wilhelm aus Bergisch Gladbach

Dr. Jürgen Wilhelm ist zugleich homo politicus und Rheinländer und damit eine perfekte Symbiose, um zugleich Gutes für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes und die schönen Künste zu tun. Seit 1975 im Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises, seit 1979 in der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Rheinland, gelingt es ihm mit seinem außergewöhnlichen Verhandlungsgeschick immer wieder, politische Auseinandersetzungen überparteilich zu einvernehmlichen Lösungen zu führen.

Als Vorsitzender der Landschaftsversammlung beschreitet er vor allem in der Kulturpolitik immer wieder neue Wege.

  • Hierzu gehört die Beteiligung an gemeinsamen Ausstellungen und Aktionen mit Künstlern wie Hanns Dieter Hüsch, Konrad Beikircher und Jürgen Becker.
  • Hierzu gehört die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Niederlanden, Belgien und Luxemburg.
  • und hierzu gehört auch die Gründung der Sozial- und Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Auch in ungezählten Vereinen und Stiftungen trifft man auf den Namen Jürgen Wilhelm:

  • Sei es als Leiter der Projektkommission Rheinisches Landesmuseum Bonn,
  • sei es als Förderer zur Realisierung des neuen deutschen Fotozentrums Berlin und zum Aufbau des Max Ernst Museums in Brühl.

Jürgen Wilhelm rückt als Vertreter der „Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ die nationalsozialistische Vergangenheit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, gewinnt erfolgreich Mitstreiter bei der Aussöhnung und dem friedlichen Zusammenleben der Konfessionen und, und, und. Jürgen Wilhelm, im wahrsten Sinne des Wortes ein Mann mit Kultur und für die Kultur – und dafür sagen wir heute: Danke schön.


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Landesorden 07042011 208 x 125

Hier sehen Sie Fotos der Verleihung des Landesordens.

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