Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Erinnerung an die deutsche Geschichte ist auch eine Verpflichtung für die Zugewanderten - Minister Armin Laschet reist nach Israel

Die Staatskanzlei und das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration teilen mit:

Die nordrhein-westfälische Landesregierung wird den Jugendaustausch mit Israel ausbauen. Die entsprechenden Mittel im Landesjugendplan werden schon im Haushalt für das kommende Jahr auf eine Million Euro steigen. Das teilten Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Jugend- und Integrationsminister Armin Laschet heute (14. November 2008) in Düsseldorf mit.

„Wir wollen mehr jungen Menschen aus Nordrhein-Westfalen die Gele­genheit geben, Israel zu besuchen. Denn wer das tut, wer sich engagiert mit Israel beschäftigt, wer dort Familien begegnet, von denen viele in Ihrer Geschichte Opfer des Holocaust zu beklagen haben, der wird als Deutscher, auch als Deutscher mit Zuwanderungsgeschichte, niemals sagen können: Was habe ich damit zu tun? Es gibt eine Pflicht der Erin­nerung und der Verantwortung für jüdisches Leben und für Israel“, sagte Rüttgers.

Die Entscheidung für mehr Miteinander von israelischen und deutschen Jugendlichen ist eine erste konkrete Umsetzung der am 9. November 2008, dem 70. Jahrestag der Pogromnacht, von der Landesregierung, den christlichen Kirchen, jüdischen Verbänden, Vertretern der Arbeit­nehmer und Arbeitgeber und von den muslimischen Verbänden unter­schriebenen „Gemeinsamen Erklärung“ (Anlage). Darin wird ein klares Bekenntnis zur Erinnerung an den Holocaust, an Verfolgung, Vertrei­bung und Vernichtung, als für uns alle verpflichtendes, bleibendes Erbe bekräftigt. „Es ist ein außerordentlich wichtiges und ermutigendes Zei­chen, dass eine solche Erklärung erstmals in Deutschland auch die Unterschrift eines muslimischen Verbandes trägt“, betonte Laschet.

Wenn mit dem seit 2000 geltenden Staatsbürgerschaftsrecht alle in Deutschland geborenen Kinder die deutsche Staatsbürgerschaft bei Geburt erhalten oder durch Einbürgerung erwerben, dann müssen sie auch zur ganzen deutschen Geschichte stehe. Auch das Wissen um die Abgründe, das Verbrechen und den Holocaust sowie die daraus fol­gende besondere Verantwortung gehören zu unserer Identität.

Der Ministerpräsident hob hervor: „Aus unserer Geschichte erwächst eine ganz konkrete Verpflichtung: Wir müssen alles dafür tun, damit die junge Generation und auch künftige Generationen von Deutschen ihrer besonderen Verantwortung für Israel und das jüdische Volk gerecht werden.“

Minister Laschet wird am Sonntag auf besonderen Wunsch von Minis­terpräsident Jürgen Rüttgers nach Jerusalem reisen, um mit der israeli­schen Regierung Details des Jugendaustausches zu besprechen. Ziel ist es, israelische und palästinensische Jugendliche mit Jugendlichen aus Deutschland zusammenzubringen. Laschet wird auch ein Begeg­nungsprojekt besuchen, bei dem der Sänger Peter Maffay mit israeli­schen und palästinensischen Jugendlichen und Schülern der Bochumer Pestalozzi-Realschule gemeinsame musikalische Projekte vorbereiten wird.

 

1938 … 2008
Gemeinsame Erklärung zum 9. November

 

In Vertretung der unser Gemeinwesen tragenden Frauen und Männer und in Verantwortung vor den Menschen unseres Landes, erklären wir, Bürgerinnen und Bürger aus Nordrhein-Westfalen, heute, 70 Jahre nach den schrecklichen, Menschen verachtenden und Menschenleben zerstörenden Taten vom 9. November 1938, einmütig,

in Abscheu vor den Gräueln, die von Deutschen und in deutschem Namen in den Jahren 1933 bis 1945 begangen wurden, in tiefer Trauer um die Ermordeten, in aufrichtigem Mitgefühl für deren Angehörige und Nachfahren sowie in dankbarem Respekt für die Überlebenden, die in Deutschland nach 1945 einen Neuanfang in Frieden und Freiheit mitgetragen haben:

Wir betrachten die Erinnerung an den Holocaust,
an seine Einzigartigkeit,
an Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung,
als uns alle verpflichtendes, bleibendes Erbe.

Für das Selbstverständnis Deutschlands ist dieses Erbe konstitutiv. Wir treten allen Bestrebungen entschieden entgegen, mit denen die Ereignisse verharmlost und das Erinnern an sie verdrängt werden.

In einem von Zuwanderung geprägten Deutschland, in einem zu­sammenwachsenden Europa und in einer sich globalisierenden Welt anerkennen wir die Schwere sowie die bleibende Bedeutung und Aktualität dieses Erbes und nehmen die daraus erwachsende Ver­antwortung an.

Gemeinsam erklären wir, dass alles Handeln – politisch und gesellschaftlich – darauf gerichtet sein muss, dass nie wieder Menschen diskriminiert oder verfolgt werden – sei es wegen tat­sächlicher oder behaupteter Merkmale.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Anerkennung der unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen bildet die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt.

Dafür stehen wir ein.

Düsseldorf, 9. November 2008

 

 

Der Ministerpräsident
des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Für die Katholische Kirche
in Nordrhein-Westfalen

 

Für die Evangelische Kirche
in Nordrhein-Westfalen

 

Für die Jüdischen Landesverbände
in Nordrhein-Westfalen

 

Für den Koordinationsrat
der Muslime in Deutschland

 

Für die Arbeitnehmer
in Nordrhein-Westfalen

 

Für die Arbeitgeber
in Nordrhein-Westfalen