
Guntram Schneider
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„Wenn man Politik machen will, muss man Menschen mögen, und zwar unterschiedlichste Menschen“, sagt Guntram Schneider. Der Minister für Arbeit, Integration und Soziales bewegt sich oft und gern unter Menschen. Zu behaupten, dass er Nordrhein-Westfalen so gut kenne wie seine Westentasche, wäre nur deshalb falsch, weil er keine Westen trägt. Guntram Schneider kennt das Land, und das Land kennt Guntram Schneider. 30 Jahre lang hat er sich im Deutschen Gewerkschaftsbund engagiert und war zuletzt Vorsitzender des DGB in NRW.
Trotzdem kann es passieren, dass der Arbeitsminister bei einer Veranstaltung als „ganz bekannter Mann“ vorgestellt wird, woraufhin zwei Personen deutlich ratlos auf den ganz bekannten Mann schauen. „Ach, alles halb so wild mit der Bekanntheit“, sagt Guntram Schneider. Vor ihm in der Galerie „fiftyfifty“ stehen zwei kleine Jungen aus Rumänien. Es sind Roma, deren Familien in Deutschland noch keine Arbeit und Wohnung gefunden haben. Die Mitarbeiter der Galerie in Düsseldorf, die zur Hilfe für Obdachlose Kunstwerke versteigern, betreuen die Familien.
Der Minister unterhält sich mit den Kindern, freut sich über deren gute Deutschkenntnisse und wird später zur allgemeinen Überraschung Rumänisch mit den Eltern sprechen. Guntram Schneiders Frau Alma Stefanescu-Schneider stammt aus Rumänien. Die Malerin, Trägerin des Joan-Miró-Preises, wurde unter der Diktatur Nicolae Ceausescus ausgebürgert.
Mit seiner Frau ist Guntram Schneider häufig in Rumänien gewesen. Weil er leidenschaftlich gern kocht, hat er die landestypische Küche in sein Repertoire aufgenommen. Seit er Minister ist, fehlt ihm meistens die Zeit zu kochen (besonders gern: Krautwickel, Gulasch, Eintöpfe). Seine Mitarbeiter beobachten regelmäßig staunend, wie der Minister Termine multipliziert. Bei fast jedem Termin vereinbart er neue Termine, weil es immer etwas gibt, um das sich er sich kümmern will. Dabei gerät er nicht einmal unter Stress. Auf eine fast schüchterne Frage, ob er nicht langsam losmüsse, weil es doch Freitagabend sei nach einer sicherlich anstrengenden Woche, antwortet der Minister: „Ich muss überhaupt nicht weg. Ich bin doch gerade erst gekommen.“
Guntram Schneider nimmt sich Zeit, um mit Menschen über deren Probleme und Ängste zu sprechen, über Politik oder auch über Kunst. Das beste Museum für Grafiken von Picasso? „In jedem Fall in Münster.“ Kultur hat für Guntram Schneider seit seiner Jugend einen hohen Stellenwert, weil sie den Blick auf die Welt verändern kann. Gute Ausbildung und Arbeit, ordentliche Löhne und gelungene Integration sind für den Minister selbstverständliche Ziele, weil sie soziale Gerechtigkeit schaffen – und allen Menschen den Zugang zu Kultur öffnen können. Sein Lebensweg hat ihn politisch geprägt.
Im Sommer 1951 wird Guntram Schneider als viertes Kind in ein Elternhaus geboren, das er als „kleinbürgerlich-proletarisch“ beschreibt, im besten Sinne. „Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Geld war knapp, aber der Zusammenhalt und die Zuwendung in der Familie waren umso größer.“ Von den Kindern können nur zwei Abitur machen und studieren, weil das Geld nicht für alle reicht. „Ich weiß, wovon ich rede, wenn es um Studiengebühren geht.“ Guntram Schneider absolviert die Volksschule in Gütersloh und auch das freiwillige neunte Schuljahr, was er später für eine glückliche Entscheidung halten wird, weil er zum ersten Mal mit Theater und Geschichte in Berührung kommt.
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Bei Thyssen Ruhrstahl schließt er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher ab. Im Hüttenwerk begeistert ihn das Gemeinschaftsgefühl. Insbesondere die Betriebsräte beeindrucken ihn. „Sie haben immer auf ihre Leute geachtet und geschaut, wen man fördern konnte.“ Er beschließt, sich selbst für Ausbildung und Arbeitnehmerrechte zu engagieren, zunächst als Jugendvertreter im Betriebsrat und später im DGB. Nach dem Besuch der Heimvolkshochschule, eine Einrichtung für Erwachsenenbildung, entwickelt sich wie von selbst eine Laufbahn, die Guntram Schneider immer weiter nach oben führt. Wobei er nicht von „oben“ sprechen würde, sondern von Funktionen, in denen man etwas bewegen kann. „Die Menschen setzen auf uns. Jeder sollte an seinem Platz tun, was möglich ist, damit diese Gesellschaft zusammenbleibt.“
So herzlich und fest Guntram Schneider in der Öffentlichkeit auftritt, so nachdenklich bestreitet er manchmal Gespräche in kleinerem Kreis. Die Inszenierung von Politik, die Bodenhaftung von Politikern, die Schwierigkeit Politik zu erklären: Guntram Schneider hat nicht immer nur Antworten, er stellt vieles in Frage, stellt auch sich selbst zuweilen in Frage. Anders lernt man seiner Ansicht nach wenig dazu. „Der bequemste Weg macht sowieso keinen Spaß.“
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