Kabinett 15.07.2010 visual mit Blumen

Johannes Remmel


Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz


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Der Minister fasst sich kurz. Drei, vier Sätze, dann legt er das Mikrophon wieder weg, seiner Umwelt zuliebe. Denn viele der Anwesenden möchten die Gelegenheit nutzen, um mit Johannes Remmel persönlich über das Thema zu sprechen, das alle hier versammelt: Energie der Zukunft.

Halle 3 der Messe Essen. Nordrhein-Westfalen präsentiert sich mit einem Gemeinschaftsstand auf der „E-world energy & water“. Der erste Tag geht mit einem Empfang des Landes für Aussteller und Besucher zu Ende. Am Morgen hat der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz zur Eröffnung der Fachmesse seine Ziele umrissen: „Wir wollen NRW zu einem Vorreiter beim Klimaschutz machen, denn wir sehen Klimaschutz als Chance und wollen die Reparaturkosten für die zukünftigen Gene­rationen minimieren.“

Bereits am ersten Abend steht fest, dass die Messe deutlich mehr Publikum anzieht als im Vorjahr. Vor allem das Interesse an Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz ist groß. Aber es gibt natürlich auch Skeptiker, die nachfragen, wenn der Minister sagt: „Klimaschutz ist aktive Wirtschaftspolitik. Wir erhoffen uns durch die Vorreiterrolle hohe Investitionen und neue Jobs.“ Gleich nachdem er das Mikrophon weggelegt hat, wird der Minister in Gespräche gezogen. Anders als sein schwungvolles  Auftreten vermuten ließe, diskutiert Johannes Remmel bedächtig und sehr differenziert. Markige Sprüche liegen ihm nicht. „Mir ist es wichtiger, aus einer breiteren Analyse heraus etwas zu entwickeln und ein Problem strukturiert zu betrachten.“

Schon in der Grundschule bescheinigte eine Lehrerin ihm, er sei zwar nicht immer der Schnellste, aber dafür nachdenklich. Und er lasse sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Damals ging es um die Frage, ob er zur Realschule wechseln sollte oder zum Gymnasium. Für die Eltern war die höhere Schule keine Selbstverständlichkeit.

Johannes Remmel wird 1962 in Siegen geboren. Der Vater arbeitet als Elektriker, die Mutter ist Hausfrau. „Wir lebten in ärmlichen Verhältnissen, aber ich habe mich nie arm gefühlt.“ Die Familie ist katholisch, der Sohn wird Ministrant und Pfadfinder.

Glaube und Natur formen früh Gedanken über die Bewahrung der Schöpfung, was sich später als politische Orientierung erweisen wird. Auch ein moderner Schul­unterricht prägt, in dem Demokratie nicht nur abstrakt behandelt, sondern erprobt wird. Ein Klassenrat wird gewählt, urdemokratisch, ohne Kandidaten, die sich aufstellen lassen. Jeder kann jeden wählen. Johannes Remmel findet sich unversehens im Klassenrat und vertritt die Interessen anderer Schüler.

Dass Aufgaben regelrecht auf ihn zukommen, erlebt er immer wieder. An der Universität, er studiert Geschichte, Katholische Theologie und Sport auf Lehramt, wird er Vorsitzender des AStA. Privat wird er Vater – und Hausmann. Ein Jahr lang kümmert er sich um das erste von zwei Kindern und beginnt danach, Deutsch als Fremdsprache für Flüchtlinge zu unterrichten. „Ich habe mein Leben nicht so sehr geplant, sondern meistens gerade das gemacht, was anstand.“ Er schätzt Ghandis Worte: „Der Weg ist das Ziel.“

Auch die Politik kommt gewissermaßen auf Johannes Remmel zu, indem die Grünen sich gründen. „Das war meine Partei, von Anfang an.“ Während der 70er Jahre hat Johannes Remmel die Politik der drei Parteien im Bundestag als lähmend empfunden. Die Grünen bieten ihm eine politische Heimat und neue Aufgaben. Er engagiert sich im Vorstand des Stadtverbandes Siegen und wird in den Rat der Stadt gewählt, wo er den Ausschuss für Umwelt, Landschaftspflege und En­ergie leitet. 1995 zieht Johannes Remmel in den Landtag ein und wird rasch umweltpolitischer Sprecher der Fraktion und dann auch Parlamentarischer Geschäftsführer.

Aus Siegen ist Johannes Remmel nie weggezogen. „Ich bin eben bodenständig“, sagt er und lacht, aber er meint das durchaus ernst. Die Arbeit im Wahlkreis, der Kontakt zur Basis sind ihm immer wichtig gewesen. Politik besteht für ihn weniger aus Visionen und mehr aus harter Arbeit. „Politik hat viel mit handwerklichen Fertigkeiten zu tun“.

Das heißt aber nicht, dass Johannes Remmel Revolutionen abgeschworen hätte. Mindestens die ökologisch-industrielle Revolution in und durch NRW will er selbst ins Werk setzen. „Wir wollen Nordrhein-Westfalen zum führenden Energie- und Klimaschutzland in Europa weiterentwickeln.“ Und das bedeutet: harte Arbeit. Wenn der Minister nach Hause fährt, hat er immer mehrere Aktenkoffer dabei. Zum Fußballtraining schafft er es ohnehin schon lange nicht mehr, aber die Aktenkoffer ermöglichen mehr Freiraum für die Familie, weil er mit ihnen auch den Heimweg zum Ziel machen kann.

Zum Ministerium:

Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Wolfgang

Hier geht es direkt zum Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

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