headvisual kabinett 21.06.2012 1

Ralf Jäger


Minister für Inneres und Kommunales


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Wenn mehrere hundert Jugendliche in einem Saal sitzen, herrscht wenig Ruhe. An diesem Morgen in Köln sind es fast nur Jungen, manche tragen verwegene Frisuren, andere ein lässig angedeutetes Lächeln. Sie werden gleich Bilder von jungen Unfallopfern sehen. Die Berufsschüler wissen, dass die Bilder authentisch sind, ihre Lehrer haben sie auf den „Crash Kurs NRW“ vorbereitet. Trotzdem johlen und pfeifen viele, vielleicht um sich selbst zu beweisen, dass sie cool bleiben werden.

Als der Innenminister die Jugendlichen von der Bühne aus begrüßt, wird es nicht wesentlich ruhiger. Ralf Jäger, Vater von drei Kindern, spricht leiser, und das funktioniert. Die Schüler werden aufmerksam. „Wir wollen Sie nachdenklich machen, weil wir uns Sorgen um Sie machen“, sagt der Minister und begründet, warum er das Projekt für so wichtig hält. Weil die Statistik lautet: 600 Verkehrstote in NRW in einem Jahr – jeder fünfte ein junger Mensch. Die drei Hauptursachen: Alkohol am Steuer, zu hohe Geschwindigkeit, Fahren ohne Gurt.

Der „Crash Kurs NRW“ ist sehr emotional. Sehr direkt. Mehr noch als die Bilder der jungen Opfer rühren deren Geschichten die Zuschauer an. Notärzte schildern auf der Bühne, wie verzweifelt sie versuchen, Leben zu retten. Feuerwehrmänner berichten, wie sie Tote aus Wracks schneiden. Die Jugendlichen in Köln sind still geworden. Der Innen­minister­ ­hält die Kampagne gerade wegen ihrer harten Realität für richtig. Dass besonders viele junge Menschen auf den Straßen sterben, treibt ihn um. „Wie viele zu schnell unterwegs sind und ohne Gurt fahren, das glaubt man einfach nicht.“ Er setzt auf Prävention. Das gilt auch für auffällige Kinder und Jugendliche.

Ralf Jäger ist überzeugt, dass viele noch die Kurve kriegen könnten, wenn sie früher pädagogisch betreut würden. Genau das macht die bundesweit einmalige Initiative „Kurve Kriegen“. Dabei arbeiten Polizei und Kommunen Hand in Hand. Hierfür erfährt Jäger viel Zustimmung vor Ort. „Wenn wir in Vorbeugung investieren, schützen wir nicht nur die Menschen und bewahren junge Leute vor einem Abgleiten in die Kriminalität. Wir senken auch langfristig die sozialen Reparaturkosten.“

Mit direkten und klaren Worten macht Ralf Jäger deutlich, dass er weiß, wie diese Kids ticken und wie man das Problem richtig anpackt. Wer selbst eine Kindheit in kleinen Verhältnissen verbracht hat, ist sensibilisiert für Umstände, unter denen Jugendliche leicht abrutschen können.

Ralf Jäger wächst im Schatten der Duisburger Hochöfen auf. Der Vater stirbt früh, die Mutter sorgt allein für vier Kinder. Sie betreibt eine Kneipe in Meiderich. „Da kamen die Stahlkocher nach Feierabend und tranken ihr Bier.“ 1961 geboren, besucht er als Einziger in der Familie das Gymnasium. Nach der Schule: Fußball und der Mutter helfen. Die Kneipe wird für Ralf Jäger zu einer Art Brennglas, unter dem er beobachtet, wie sein Stadtteil sich durch den Rückzug der Stahlindustrie verändert. Mit den Arbeitsplätzen schwindet der soziale Austausch, auch in der Kneipe. Die einstigen Gastarbeiter bleiben in Duisburg – und zunehmend unter sich. Weil kaum jemand von Integration überhaupt gehört hat, entwickeln sich parallele Welten.

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Das hat Ralf Jäger geprägt, um sich aber politisch zu engagieren, gab es Anfang der 80er Jahre den Auslöser. „Als Helmut Kohl die geistig-moralische Wende ausrief, habe ich vor lauter Ärger noch abends bei der SPD angerufen.“ Dort meldet sich zwar nur der Anrufbeantworter, aber Ralf Jäger tritt wenig später in die SPD ein. Nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandels­kauf­mann arbeitet er als Fachreferent und studiert gleichzeitig Pädagogik. 1989 wird er in den Rat der Stadt Duisburg gewählt. Kommunalpolitik ist ihm wichtig. Deswegen setzt er sich auch für die Demokratie vor Ort und solide Kommunal­finanzen ein, als er 2000 in den Landtag gewählt wird. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD übernimmt er die Bereiche Inneres und Kommunales, für die er später zum Minister berufen wird.

Keine zehn Tage ist Ralf Jäger im Amt, als sich die Katastrophe auf der Loveparade ereignet. „Mein erster Gedanke war: Das kann doch nicht in Deutschland passiert sein.“ Es ist passiert, in Duisburg, in seiner Stadt. Es ist ein Schock für Ralf Jäger, aber als Minister ist er gefordert.

Er spricht mit Angehörigen der 21 Toten und mit Verletzten. Er warnt vor schnellen Schuldzuweisungen und leitet die Aufklärungsarbeit ein. Die Tragödie erlebt Ralf Jäger als harte Bewährungsprobe, vor allem die Gespräche mit den Angehörigen brennen sich ein. „Das geht nahe.“ Auch wenn ihm manche die hohen Auflagen für Großveranstaltungen als zu bürokratisch vorhalten: „Sicherheit geht vor.“

Zum Ministerium:

Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Foto: Wolfgang Meyer-Piehl

Hier geht es direkt zum Ministerium für Inneres und Kommunales.

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